Müesli | Itineraries of taste

Müesli

Der Schweizer Arzt Maximilian Oskar Bircher-Benner war ein früher Befürworter der Rohkost-Ernährung. Geboren im Jahr 1867, studierte Bircher-Benner Medizin an der Universität Zürich, bevor er seine eigene Klinik in der Stadt eröffnete. Im ersten Jahr hatte es der Arzt jedoch selbst mit Gelbsucht zu tun – gewissermaßen Glück im Unglück, denn das war die Geburtsstunde einer ungewöhnlichen Reformkost: Müesli.

Bircher-Benner gab an, seine Gelbsucht erfolgreich durch eine Diät behandelt zu haben, die zum größten Teil aus Äpfeln bestand. Aber anstatt den Arzt einfach nicht mehr aufsuchen zu müssen – wie im berühmten englischen Sprichwort – führte ihn die Apfel-Diät zu einer Entdeckung. Diese sollte das Frühstück von Millionen Menschen verändern. Er begann, mit Rohkost - Haferflocken, Obst, Nüsse - zu experimentieren und eröffnete im Jahr 1897 ein Sanatorium namens „Lebendige Kraft“, um seine Entdeckungen zu fördern. In dessen Zentrum stand die Speise, die er entwickelt hatte. Heutzutage als Bircher Müesli bekannt. Um es von unzähligen Variationen zu unterscheiden, hat Bircher-Benners Schöpfung ein dickes Mus aus Äpfeln, Haferflocken und Nüssen mit Sahne oder Kondensmilch kreiert.

Ein Esslöffel Haferflocken wird über Nacht in drei Esslöffel Wasser eingeweicht. Die eingeweichten Haferflocken anschließend mit einem Esslöffel Nüsse, einem Esslöffel Sahne und einem Schuss Honig vermischen. In diese Mischung wird ein großer Apfel mit Schale, Kerngehäuse und Kernen gerieben. Damit er sich nicht bräunlich verfärbt, fügt man außerdem den Saft einer halben Zitrone hinzu.

Bircher-Benner wurde von den einfachen Mahlzeiten der Hirten in den umliegenden Alpen inspiriert, wo er mit seiner Frau gerne wandern ging. Er nannte seine Erfindung „d'Spys“, was auf Schweizerdeutsch ganz einfach „die Speise“ bedeutet. Der gebräuchlichere Name, Müesli, wurde vom Wort Mues, abgeleitet, was so viel bedeutet wie Püree oder Brei.

Bircher-Benner war so von den gesundheitsfördernden Eigenschaften seiner Speise überzeugt, dass er sie in seinem Sanatorium, wo seine Patienten eine strenge Diät einhalten mussten, vor jeder Mahlzeit servierte. Außerdem mussten sie Sport treiben, früh ins Bett gehen, auf Kaffee, Schokolade, Alkohol und Tabak verzichten und kalt duschen. Das war nicht jedermanns Sache: Der Schriftsteller Thomas Mann, der das Sanatorium besuchte, beschrieb es als „Gesundheitsgefängnis“.

Aber Bircher-Benners Ernährungskonzept setzte sich durch. Er sprach sich dafür aus, mindestens 50 Prozent Rohkost zu essen, und seine Schwestern, die mit ihm im Sanatorium arbeiteten, entwickelten weitere Rezepte mit Rohkost. Obwohl Bircher-Benner viele Kritiker hatte, die noch keine Verbindung zwischen Ernährung und Gesundheit sahen, trafen seine Ideen den Nerv der Gesellschaft, und er musste seine Klinik erweitern, um allen Besucheranfragen gerecht zu werden.

Mit seinem Eintreten für Rohkost war er seiner Zeit voraus: Erst in den 1930er Jahren wurden die Vitamine in Obst und Gemüse entdeckt und boten eine wissenschaftliche Grundlage für Bircher-Benners Theorien.

Das Müesli selbst brauchte etwas länger, um sich ein breiteres Publikum zu erobern; erst in den 1960er Jahren wurde es von den Anhängern der Reformkost und den Vegetariern aufgegriffen. Zu dem von Bircher-Benner kreierten frischen Müesli gesellte sich eine trockene Variante, die über Wochen oder sogar Monate gelagert werden konnte und in Säcken oder Kartons verkauft wurde.

Im Laufe der Jahre wurde Bircher-Benners Rezept optimiert, es kamen verschiedene getrocknete Früchte hinzu, andere Getreidesorten und Nüsse wurden ausprobiert und auch Leckereien wie Schokolade dazu gemischt.

Heute erlebt das Müesli - und sein naher Vetter Granola (Knuspermüsli - eine geröstete Mischung aus Nüssen, Haferflocken, Samen und Honig oder Sirup) - eine Renaissance, da eine neue Generation von Rohkost-Anhängern die Vorteile des Gerichts entdeckt hat und es als handgemachte Alternative zu industriell gefertigten Frühstückscerealien propagiert. Bircher-Benner hätte das gefallen.

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Kulinarisches auf einen Blick

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