Rote Bete | Itineraries of taste

Rote Bete

Jeder, der nach Russland reist, wird über kurz oder lang einem Urgestein der kulinarischen Szene des Landes begegnen: Rote Bete. Sie präsentiert sich in verschiedenster Form von Getränken bis hin zu Salaten. Aber damals wie heute hat das einfache Wurzelgemüse in Russland vor allem in der weltberühmten Bete-Suppe des Landes eine Rolle gespielt: Borschtsch.

Oft wird die Ukraine als Ursprungsort für Borschtsch genannt. Der Name soll sich vom slawischen Wort für Bärenklau bzw. von einem fermentierten Getränk ableiten, das aus dieser Pflanze hergestellt wird. Es dauerte eine Weile, bis der Bärenklau durch die schmackhafte Rote Bete ersetzt wurde. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Borschtsch zu einem festen Bestandteil der russischen und osteuropäischen Küche – und schwappte im 20. Jahrhundert buchstäblich über die Landesgrenzen hinaus, als die Suppe durch die russische Diaspora exportiert wurde.

Experten sind sich uneinig über „das“ Original-Rezept für Borschtsch. Die meisten aber behaupten, dass sie mit Rinderbrühe gemacht wird und rote Bete und anderes Gemüse wie Kohl, Kartoffeln und Karotten enthält (nicht selten werden auch Äpfel hinzugefügt). Der unverwechselbare Geschmack kommt vom langsamen Kochen des Gemüses, bevor es zur Brühe hinzugefügt wird. In der Regel wird die Suppe mit einem Klecks saurer Sahne und einem Zweig Dill serviert.

Es ist wenig verwunderlich, dass die Rote Bete in der russischen Küche so prominent vertreten ist: Sie lässt sich einfach anpflanzen, ist nahrhaft ist und in der Küche vielseitig einsetzbar. Viele Russen bauen Rote Bete im Garten ihrer kleinen Datschen (Landhäuser) an. Aber auch in einem größeren Maßstab ist Russland einer der wichtigsten Rote Bete-Produzenten der Welt. Sie wollen den Beweis? Ein Reiseunternehmen bietet Busreisen zwischen Sankt Petersburg und Moskau. Der Name der Linie: Beetroot Bus, weil die Strecke an so vielen Rote Bete-Feldern vorbeiführt.

Rote Bete wird in Russland als Schönheitselixier und wegen seiner gesundheitlichen Eigenschaften geschätzt. Ein russischer Politiker hat Frauen vor kurzem sogar ein „natürliches Aussehen“ ans Herz gelegt und Rote Bete als Lippenstift anstelle von importierten Produkten empfohlen.

Außerdem ist Rote Bete ein wahres Superfood, vollgepackt mit Kalzium, Eisen, Folsäure und den Vitaminen A und C, Ballaststoffen, Mangan und Kalium. Sie ist dafür bekannt, die Leber und die Verdauungsfunktionen zu unterstützen, den Blutdruck und den Cholesterinspiegel zu senken, sowie die Ausdauer zu stärken. Betacyan, das Pigment, das der Pflanze ihre intensive rötlich-violette Farbe verleiht, ist ein starkes Antioxidans. Studien haben gezeigt, dass es das Wachstum bestimmter Tumore verlangsamen kann.

Kein Wunder also, dass sie zu den traditionellen russischen Hausmitteln zählt. Bei verstopfter Nase wird empfohlen, Rote Bete mit Zwiebeln und Aloe Vera zu zerstoßen und daraus Nasentropfen herzustellen. Viele Russen schwören auch auf die gesundheitsfördernden Eigenschaften eines Getränks namens Kwas, das über einen Milchsäuregärungsprozess hergestellt wird. Dadurch erhält es einen salzigen, erdigen Geschmack. Es ist einfach herzustellen: Alles, was man dazu braucht, ist Wasser, Salz, Molke, Rote Bete und Zeit für die Gärung, bis es die gewünschte Stärke hat.

Natürlich bevorzugen manche Russen stärkere Sachen, wenn es darum geht, eine Erkältung loszuwerden. Kein Problem, denn die Rote Bete macht der Kartoffel ihren Platz als Hauptbestandteil des anderen russischen Nationalgetränks, Samogon (Mondschein), streitig. Obwohl die Zutaten variieren, wird am häufigsten Rote Bete verwendet. Während der unbefugte Verkauf von Samogon in Russland illegal ist, ist die Produktion für den Eigenverbrauch seit 1997 legal. Ein Selbstgebrannter, dessen Zutaten man im eigenen Garten anbauen kann? Das ist doch mal was.

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Kulinarisches auf einen Blick

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